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Quo vadis, Sport? Leitlinien für nachhaltigeren Sport

Wie soll sich nachhaltiger Sport entwickeln und etablieren? Der Beirat „Umwelt und Sport“ des deutschen Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit stellt Leitlinien eines nachhaltigen Sports vor, die eine Basis für die Umsetzung nachhaltigen Sports darstellen. Wir sehen uns diese Leitlinien genauer an, die ein Impuls für eine nachhaltigere (Sport-)Gesellschaft sind.


Sport, Bewegung und Nachhaltigkeit - ein Widerspruch?

Sport und Bewegung sind nicht nur ein hervorragender Motor für Lernen und Konzentration, indem Inhalte besser verinnerlicht werden können. Sport bringt Freude, Motivation und ist grundlegendes Element unserer Gesellschaft. Es werden Fairness, Toleranz und Gemeinschaft vermittelt und regelmäßige Bewegung und Sport tragen in hohem Maße zu unserer Gesundheit und unserem Wohlbefinden bei. Diese Aspekte müssen in den Nachhaltigkeitsdiskurs eingebracht werden und können als auch müssen maßgeblich im Zuge einer nachhaltigen Entwicklung mitgedacht werden.

Sport und sportliche Infrastrukturen beanspruchen dennoch Natur, Landschaft, Ressourcen und emittieren Gase – somit ist es dringend notwendig darüber nachzudenken, wie Sport nachhaltiger gestaltet werden kann, um den Mehrwert Sport verdoppeln zu können sowie nachfolgenden Generationen weiter die Möglichkeit zu geben, Sport zu treiben und von den positiven Aspekten zu profitieren.


Das Positionspapier Sport 2020

Das Positionspapier Sport 2020 setzt sich mit diesen Forderungen auseinander. Besonders hervorheben möchten wir heute die darin definierten Leitlinien, die der Beirat für einen nachhaltigen Sport in Umwelt und Natur empfiehlt. Sie stellen eine gute Basis dar, um den gewünschten Diskurs anzustoßen und Vereine, Sporttreibende, Übungsleiter*innen, Trainer*innen und Institutionen trotz ihrer unterschiedlichen Interessen und gerade ob ihrer unterschiedlichen Wirkungsfäden in der Gesellschaft zu ermutigen, das Thema gemeinsam hervorzuheben und umzusetzen.


Natur bedeutet Freiheit und Lebensqualität - sie ist aber keine selbstverständliche Kulisse

Questions asked

Das Positionspapier sieht sich vor folgenden Fragen konfrontiert:

Wie bewahren wir die natürlichen Lebensgrundlagen und Sporträume für uns und für künftige Sportgenerationen?

Was ist zu tun, damit insbesondere jungen Menschen der Zugang zu Bewegung, Spiel und Sport und den damit verbundenen gesundheitlichen und pädagogischen Wirkungen erhalten bleibt?

Wie lösen wir Konflikte zwischen Sport und den Zielen von Luftreinhaltung, Klima-, Natur- und Lärmschutz?

Und wie kann der Sport Impulsgeber für eine nachhaltige Gesellschaft sein?



Leitprinzipien eines nachhaltigen Sports

Die definierten Sport 2020-Leitprinzipien des BMUB Beirats „Umwelt und Sport“ lauten wie folgt:


Verantwortlichkeit und Vertrauen

„Nachhaltige Entwicklung verlangt Verantwortung. Insbesondere der organisierte Sport mit seiner enormen gesellschaftlichen Reichweite kann ein verlässlicher Multiplikator sein. Dennoch gelten Umwelt und Natur durchaus auch heute noch zu häufig als selbstverständliche Kulisse, die unbegrenzt und kostenfrei nutzbar ist - eine Sicht, die einer nachhaltigen Idee widerspricht. Natur und Ressourcen sind nur begrenzt tragfähig und ihr Wert für Volkswirtschaft und Gesellschaft bleibt nur erhalten, wenn sie keinen langfristigen Schaden nehmen. Die Akteure der Sportwelt müssen eigenverantwortlicher handeln, das heißt Effekte und Folgewirkungen ihrer Aktivitäten identifizieren und, wo nötig, Gegen- und Schutzmaßnahmen zu treffen.“


Vorsorgeprinzip und Natur- und Umweltschutz

„Damit auch die nächsten Generationen von einer intakten Umwelt profitieren, muss auch der Sport seinen ökologischen Fußabdruck minimieren. Das Vorsorgeprinzip hat im Bereich Sport und Umwelt zwei Dimensionen: Ressourcenvorsorge bedeutet, dass der Sport mit natürlichen Ressourcen wie Wasser, Boden und Luft grundsätzlich schonend umgeht, um sie – auch als Grundlage für den Sport - langfristig zu sichern und zu erhalten. Risikovorsorge meint, gerade auch bei unvollständigem oder unsicherem Wissen über Art, Ausmaß sowie Kausalität von Umweltschäden durch Sportnutzung möglichst vorbeugend zu handeln, um Schäden an Pflanzen, Tieren und Landschaften zu vermeiden.“


Information und Kommunikation

„Im Sport werden umfangreiche Zahlen und Leistungsdaten kommuniziert. Fakten und Daten zur Nachhaltigkeit im Sport sind dagegen in der breiten Öffentlichkeit noch zu wenig bekannt. Um das zu ändern, bedarf es einer proaktiven Kommunikation. Es ist notwendig, relevante Handlungsfelder zu identifizieren und den Dialog mit unterschiedlichen Akteuren und Vertretern der Sportbranche zu suchen. Über gute Praxisbeispiele, intensive Medienarbeit und alternative Informationskanäle können Ziele und Erfolge, Wirkungen und Vorteile einer nachhaltigen Sportentwicklung bekannter gemacht werden.


Kooperation und Partizipation

„Die deutsche Vereinslandschaft lebt vom bürgerschaftlichen Engagement und birgt wie kaum ein anderer gesellschaftlicher Bereich das Potenzial, breite Bevölkerungskreise in die Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen einzubinden. Nachhaltigkeit ist Teamarbeit: Sportakteure, Unternehmen, öffentliche Einrichtungen, gesellschaftliche Gruppen sowie Bürgerinnen und Bürger müssen intensiv kooperieren. Die Sportverbände sollten diese breit angelegte Kooperation aktiv ausgestalten. Zugleich bietet der Sport vielfältige Potenziale zur Gestaltung gesellschaftspolitischer Herausforderungen – er sollte daher systematischer als bisher in staatliche und kommunale Handlungsstrategien integriert werden.“


Faktenklarheit und Transparenz

„Breite Beteiligung und öffentliche Relevanz sind Voraussetzung für transparente Prozesse, die über den Sport hinaus Anwendung in der gesamten Gesellschaft finden können. Das setzt jedoch voraus, dass Ziele, Selbstverpflichtungen und Projekte partizipativ konkretisiert und Zielkonflikte z.B. mit Hilfe von Kosten-Nutzen-Bewertungen gelöst werden. Dabei orientieren sich die Entscheidungen an Kosteneffizienz und der Einhaltung ökologischer und sozialer Rahmenvorgaben. Auf diese Weise wächst [sic!] Vertrauen und eine starke Identifikation der Menschen mit dem Sport.“

Diese Leitlinien stellen eine fruchtbare Basis dar, um den Diskurs im Kontext Nachhaltigkeit und Sport anzustoßen und eröffnen einen wertvollen Dialog, der es wert ist, fortgeführt zu werden.


Das vollständige Dokument zum Nachlesen findest du hier!


Breite Beteiligung für ein gemeinsames Ziel - im Sport optimal durchsetzbar!

Und BNE?

Zudem definiert der Beirat verschiedene Handlungsfelder, in welchen nachhaltiger Sport umgesetzt werden kann und gibt dazu Handlungsempfehlungen. Im Handlungsfeld „Sport in Natur, Landschaft und urbanen Räumen“ wird hervorgehoben, dass eine „wirksame Bildung für nachhaltige Entwicklung eine zielgruppengerechte Aufarbeitung, Bereitstellung und Verbreitung von Informationen an Aktive und Multiplikatoren“ in diesem Handlungsfeld erfordert.


Einer konsequent umfassenden Bildung für nachhaltige Entwicklung im Sport(-Unterricht) steht somit also nichts mehr im Weg und muss dringlichst umgesetzt werden! Wir arbeiten weiter dran!


Wir arbeiten weiter dran! 😊

Julia von move4sustainability


Inspiration bekommst du mit unserem bewegten Lehrmaterial


Ein weiteres Best Practice Beispiel für mehr Nachhaltigkeit in Sportvereinen ist die N-Charta Sport der Nachhaltigkeitsstrategie Baden-Württemberg


Über die Autorin:

Julia Wlasak ist Vollblut-Sportlerin. Sie blickt auf umfassende Erfahrung im Schul- und Hochschulbereich zurück und wundert sich, warum Sport so wenig Aufmerksamkeit im Nachhaltigkeits- und BNE-Kontext bekommt. Deswegen gründete sie im Dezember 2019 move4sustainability.


Weitere Informationen:

BMUB Beirat „Umwelt und Sport“: Sport 2020 – Impulsgeber für eine nachhaltige Gesellschaft: https://www.bmu.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Tourismus_Sport/sport_2020_positionspapier_bf.pdf