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Zurück zur Natur – Von Naturdistanz, Spielräumen und Waldbaden

Aktualisiert: Feb 13

Für viele Menschen ist es nicht selbstverständlich, Naturräume in unmittelbarer Umgebung vorzufinden. Ein entspannter Nachmittag in der Natur ist ohne längere Anreise meist nicht möglich. „Schnell mal in den Wald und frische Luft schnappen“ gibt's für viele nicht. Technologisierung, Urbanisierung und Medienkonsum können Bewegung verringern und verhindern. Insbesondere Kindern fehlen zunehmend Naturräume für Bewegung, Spiel und zur individuellen Entfaltung.

Immer mehr Menschen fehlt der Zugang zu Naturräumen.

Der Begriff "Naturdistanz"

Dementsprechend fehlen Kindern und Jugendlichen der praktische Zugang zu bzw. Umgang mit Natur. Dieses Phänomen wird als sogenannte „Naturdistanz“ bezeichnet.

Das bedeutet, dass Natur entweder als etwas Langweiliges angesehen wird, oder als etwas sehr Wichtiges, das bedroht und schutzbedürftig ist. Im zweiten Fall wird der Zugang zu Natur noch schwieriger, da Kinder und Jugendliche mit Natur sehr vorsichtig umgehen bzw. sich im schlimmsten Fall ganz davon fernhalten. Es fehlt somit zunehmend an Naturerfahrungen.


Urbanisierung und Straßenverkehr schränken Bewegungs- und Spielräume ein.

Natur als Tor zu Bewegung und nachhaltigem Handeln

Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen (u.a. aufgrund ihrer Vorbildwirkung) müssen ein wertvoller Zu- und Umgang mit der Natur ermöglicht werden. Erst dann können der Mehrwert von Natur, ihre Kraft und ökologischen Zusammenhänge verstanden werden und lebenslanges Lernen mit und in der Natur stattfinden. Daraus ergibt sich das Potential, dass nachhaltiges, ökologisch verträgliches Handeln vermehrt stattfindet. Naturerfahrungen werden am besten bewegt erlebt, weil dadurch Lernen durch die haptische Erfahrung begünstigt wird. Sportliche Aktivitäten können und sollen nicht alleinig in Sportzentren und Sportanlagen (Sportplätze, Sporthallen oder Schwimmbädern) praktiziert werden. Auch Straßen, Plätze und somit die ganze Umgebung sollen wieder zu Raum für Sport gemacht werden, um Bewegung zu fördern. Dazu braucht es entsprechende Rahmenbedingungen zu Sicherheit, Erreichbarkeit und Barrierefreiheit.


Mit Erfahrungen in der Natur wird Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen wieder bewusst, welchen Nutzen und Kraft Natur hat und auch gesundheitsfördernde Aspekte in Bezug auf Körper und Geist aufweist. Dabei wird gleichzeitig auch ein umweltschutzbezogener Zugang geschaffen.


Waldbaden: "Baden in der Atmosphäre des Waldes"

Nicht umsonst ist zurzeit das Thema „Waldbaden“ brandaktuell. Der Begriff stammt aus dem japanischen („Shinrin Yoku“) und beschreibt den Kontakt mit und den Aufenthalt im Wald. In Japan und Südkorea ist die Praxis bereits fixer Bestandteil in der Gesundheitsvorsorge. Warum?


Beim Waldbaden wird in langsamem Tempo durch den Wald gegangen und tief ein- und ausgeatmet. Die Effekte sind nicht überraschend: Der Aufenthalt im Wald senkt bewiesenermaßen den Blutdruck, wirkt regulierend auf den Puls und reduziert Stresshormone. Eine Studie aus dem Jahr 2009 zeigt jedoch alarmierend auf: Rund 2/3 der deutschen Bevölkerung gehen nur einmal pro Jahr in den Wald. Das ist eindeutig zu selten!

Natur ist etwas Schützenswertes, das erlebt werden darf und muss.

Natur ist etwas Schützenswertes, das man gleichzeitig erleben kann und darf. Die Natur bewegt zu erleben ermöglicht es, Inhalte zur Nachhaltigkeit interaktiv umzusetzen. So wird ein Zugang zurück zur Natur geschaffen und Themenfelder werden vor Ort erschlossen und erlebt. Daraus resultiert ein Bewusstsein, das ökologische Zusammenhänge versteht und wertschätzt, sowie proaktives Handeln, das die Natur nachhaltig erhält.


Wie oft seid ihr eigentlich in der Natur? War früher alles anders?


Ich bin gespannt auf eure Antworten!


Julia von move4sustainability

Über die Autorin:

Julia Wlasak ist Vollblut-Sportlerin. Sie blickt auf umfassende Erfahrung im Schul- und Hochschulbereich zurück und wundert sich, warum Sport so wenig Aufmerksamkeit im Nachhaltigkeits- und BNE-Kontext bekommt. Deswegen gründete sie im Dezember 2019 move4sustainability.

Weitere Informationen:

  • Bernjus, A., Cavelius, A. (2018): Waldbaden. Mit der heilenden Kraft der Natur sich selbst neu entdecken. München.

  • Gebhard, U. (2009): Kind und Natur. Wiesbaden.

  • Eulering, J. 2012): Die sportgerechte Stadt- eine politische Bilanz. In: Soziale Wirklichkeiten des Sports. Richtlinien- Sportentwicklung- Sicherheitsförderung. Münster. 33-44.

  • Wlasak, J. (2017): Get moving, Sustainability! Innovative Lehre von Nachhaltigkeit im Bewegungs- und Sportunterricht der Oberstufe. Graz. URL: http://unipub.uni-graz.at/obvugrhs/content/titleinfo/1770369