Einfach schwimmen, schwimmen, schwimmen – Nachhaltigkeit im Schwimmsport

Julia Wlasak Kategorie: BNE im Sportunterricht, Nachhaltiger Sport Jun 5
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Schwimmkenntnisse von Kindern und Jugendlichen nehmen tendenziell ab. Das ist besonders dramatisch, denn Schwimmen rettet Leben. Zudem ist Schwimmen für seine positiven gesundheitlichen Effekte bekannt. Der gesamte Körper wird trainiert, das Herz-Kreislauf-System wird angeregt und die Gelenke werden geschont. Durch seine gesundheitsfördernde Wirkung liegt der erste Zusammenhang zwischen Schwimmen und Nachhaltigkeit also auf der Hand (SDG 3 – Gesundheit und Wohlergehen). Aber was ist beispielsweise mit dem hohen Wasser- und Energieverbrauch? Ist nachhaltiger Schwimmsport überhaupt möglich?

Nachhaltiger Schwimmsport – Mobilität

Nachhaltiger Schwimmsport kann an verschiedenen Stellen ansetzen. Individuell können alle Schwimmer*in bereits bei der Fahrt zum Trainings- oder Wettkampfort versuchen, auf das Auto zu verzichten und stattdessen das Fahrrad, den öffentlichen Nahverkehr oder Fahrgemeinschaften zum Training zu nutzen. Verständlicherweise ist das bei entfernten Wettkämpfen nicht möglich. Dann bietet es sich an, Fahrgemeinschaften zu bilden. In kleinen Vereinen müssen oft die Schwimmer*innen oder Trainer*innen selbst die Fahrzeuge (oder den Vereinsbus, wenn es einen gibt) lenken und weite Strecken selbst fahren. Das ist besonders nach einem langen und aufregenden Wettkampfwochenende oft gar nicht so ohne. Daher würde es sich auch hier anbieten, auf den Zug umzusteigen. Leider fallen Zugtickets oft teurer aus als das Benzingeld für einen Vereinsbus. Und auch die Besorgung von Gruppentickets beispielsweise in Österreich gestaltet sich komplizierter, sobald die Nutzer*innen des öffentlichen Verkehrs nicht mehr im Schulalter sind.

Verbände können hier jedenfalls ansetzen und entsprechend unterstützen und subventionieren, um Ihren Sportler*innen und Trainer*innen nicht nur eine angenehmere, sondern auch umweltfreundlichere Reise zu ermöglichen.

Nachhaltiger Schwimmsport – Nachhaltige Bademode?

Hier ist es leider schon etwas schwieriger. Bei Schwimmbekleidung ist es schon etwas schwieriger, nachhaltige Produkte zu finden, da diese ja entsprechend zügig trocknen und vorliegenden Wettkampfvoraussetzungen entsprechen muss. Auch der Pool geeigneter und nachhaltiger Sponsoren im Schwimmsport ist generell noch stark ausbaufähig.

Nachhaltigere Bademode für die Freizeit wie Bikinis, beispielsweise aus Econyl@, findet man zwar relativ schnell, aber um geeignete Badekleidung für sportliches Schwimmen zu finden, muss man schon etwas länger suchen. Auch wird mit Bademode aus recycelten Fischernetzen leider nicht die Herausforderung Mikroplastik gemeistert. Dennoch empfiehlt es sich zum Beispiel beim Online-Händler Bergfreunde vorbeizuschauen. Hier gibt es die Möglichkeit unter „Bewusst kaufen“ nach fair gehandelten oder recycelten Produkten zu filtern, die immerhin eine erste Alternative bilden.

Verbände und Schwimmer*innen können bei ihrer Ausrüstung Wert auf die Herstellung der Produkte legen. Der schwedische Hersteller Malmsten beispielsweise reduziert seine Transportwege durch lokale Produktion. Die Marke setzt auf Recycling und Reusing und bietet unter anderem Schwimmbrillen an. Oder auch recycelte Schwimmkappen können ein Impuls sein, das Thema Nachhaltigkeit im Schwimmen im ersten Schritt präsenter zu machen.

Nachhaltiger Schwimmsport durch Maßnahmen in den Schwimmbädern

Nachhaltiger Schwimmsport ist aber nur möglich, wenn auch die Schwimmbäder Verantwortung übernehmen und einen Beitrag leisten. Gerade mit Hinblick auf die Energiekrise wird aktuell diskutiert, ob Schwimmbäder geschlossen werden sollten. Eine Schließung würde allerdings bedeuten, dass viele andere nachhaltige gesellschaftliche Effekte von Schwimmbädern verloren gehen. Dazu gehört neben der Gesundheitsförderung beispielsweise auch das Potential für Inklusion durch Schwimmsport. Mit der Ergreifung von einigen Maßnahmen kann nachhaltiger Schwimmsport kann allerdings möglich werden. Dazu kann beispielsweise die Temperatur in den Becken und Räumlichkeiten leicht abgesenkt werden, statt fossiler sollte erneuerbare Energie genutzt werden und ganzjährig beheizte Außenbecken sollten außer Betrieb genommen werden. Die Etablierung und Umsetzung dieser Maßnahmen sollte dennoch immer im engen Austausch mit wichtigen Interessensgruppen, also den Sportler*innen, Trainer*innen und beispielsweise Organisator*innen von Kinderschwimmschwimmkursen besprochen und diskutiert werden, um eine gut verträgliche Lösung für alle zu finden.

Neben der Energienutzung bietet auch die Einrichtung der Schwimmbäder Potential für nachhaltige Gestaltung. Beim bereits erwähnten Hersteller Malmsten können unter anderem nachhaltige, langlebige Schwimmleinen erworben werden.

Nachhaltige Schwimmveranstaltungen und Schwimmvereine

Eine weitere Chance bieten nachhaltige Schwimmveranstaltungen. Eintrittskarten können beispielsweise automatisch ein ÖPNV-Ticket enthalten, beim Catering kann man auf Mehrweg Geschirr und regionale Produkte setzen und technisches Equipment kann statt gekauft einfach ausgeliehen werden.


In unserer Linksammlung „Nachhaltiger Sport“ findest du Leitfäden, Empfehlungen und Selbsttests für deine nachhaltige Sportveranstaltung.


Um sozial nachhaltige Schwimmevents gewährleisten zu können sollte man auf barrierefreien Zugang achten. Das bedeutet Menschen mit Behinderung Zutritt zu verschaffen. Angebote und Informationstafeln in verschiedenen Sprachen zu schaffen und unterrepräsentierte Gruppen in die Veranstaltungsplanung einzubeziehen können weitere Maßnahmen sein.

Soziale Maßnahmen beziehen sich allerdings nicht nur auf nachhaltige Sportveranstaltungen, sondern auf die gesamte Organisation des Vereins. Eine Studie der DLRG hat gezeigt, dass vor allem Menschen mit Migrationshintergrund häufig nicht schwimmen können. Fehlt einem diese Fähigkeit, bleibt einem auch der Zugang zu sozialen Orten wir Schwimmbädern und Badeseen oder die Teilnahme an Schulausflügen verwehrt. Mit entsprechenden Angeboten, auch für ältere Menschen und Menschen mit Behinderung, haben Schwimmvereine die Möglichkeit Vorbilder für Integration zu werden und Ungleichheiten abzubauen.

Vereine, die sich darüber hinaus engagieren wollen, können nachhaltige Sportevents ins Leben rufen und Spenden für jeden geschwommenen Kilometer sammeln, die anschließend für einen guten Zweck gespendet werden. Auch Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) bietet sich im Schwimmsport an, indem man über den Schutz der Ozeane, richtiges Verhalten in freien Gewässern und das Leben im Meer aufklärt.  

Anregungen zu BNE im Vereinssport und Sportunterricht findest du hier!

Nachhaltiges Open Water Schwimmen

Eine Möglichkeit für die Relevanz von Umweltschutz zu sensibilisieren bietet auch das Open Water Schwimmen, also Schwimmen in freien, natürlichen Gewässern. Der ökologische Vorteil ist, dass hierbei weder Wasser noch Energie verbraucht wird und keine Fläche versiegelt, werden muss. Nachhaltige Neoprenanzüge findet man beispielsweise bei Ecoalf. Entsprechend wichtig ist insbesondere bei Open Water Events eine nachhaltige Veranstaltungsorganisation und Durchführung.

Unsere genannten Vorschläge sind keinesfalls vollständig. Dennoch sollen sie zeigen, dass sich auch der Schwimmsport mit Nachhaltigkeit auseinandersetzen und mithilfe erster Maßnahmen erste wichtige Schritte setzen kann. Du setzt bereits einige Maßnahmen um und möchtest deinen Schwimmverein oder ein Schwimmevent strukturiert nachhaltiger machen? Wir unterstützen dich gerne bei der Entwicklung und Umsetzung langfristiger strategischer Ziele!

Es gibt also viele Möglichkeiten, den Schwimmsport nachhaltiger zu machen! Was passiert bereits in deinem Umfeld?

Nina und Julia von move4sustainability

Portrait

Julia ist Vollblut-Sportlerin. Sie blickt auf umfassende Erfahrung im Nachhaltigkeitsbereich zurück und wundert sich, warum Sport so wenig Aufmerksamkeit darin bekommt. Deswegen gründete sie im Dezember 2019 move4sustainability.


FAQs:

Was tut der Schwimmsport für Nachhaltigkeit?

Schwimmkenntnisse von Kindern und Jugendlichen nehmen tendenziell ab. Das ist besonders dramatisch, denn Schwimmen rettet Leben. Zudem ist Schwimmen für seine positiven gesundheitlichen Effekte bekannt. Der gesamte Körper wird trainiert, das Herz-Kreislauf-System wird angeregt und die Gelenke werden geschont. Dennoch benötigt Schwimmen u.a. viel Energie und Wasser und auch die Mobilität durch die Anreise zum Schwimmbad oder zu internationalen Wettkämpfen stößt viel CO2 aus.

Was ist Bildung für nachhaltige Entwicklung im Schwimmsport?

Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) bietet sich im Schwimmsport an, indem man über den Schutz der Ozeane, richtiges Verhalten in freien Gewässern und das Leben im Meer aufklärt. Eine Möglichkeit für die Relevanz von Umweltschutz zu sensibilisieren bietet auch das Open Water Schwimmen, also Schwimmen in freien, natürlichen Gewässern.

Was tun für mehr Nachhaltigkeit im Schwimmsport?

Mobilität soll umweltfreundlicher gestaltet werden durch Fahrradfahren, Nutzung des öffentlichen Verkehrs und Fahrgemeinschaften. Neben der effizienten Energienutzung und erneuerbarer Energien bietet auch die Einrichtung der Schwimmbäder Potential für nachhaltige Gestaltung. Recycelte Schwimmkappen und Schwimmleinen können eingesetzt werden. Eine weitere Chance bieten nachhaltige Schwimmveranstaltungen unter der Berücksichtigung ökologischer und sozialer Aspekte.

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