Nachhaltigere Sportbekleidung / Im Test: Tripulse – Sustainable Activewear

Julia Wlasak Kategorie: Nachhaltiger Sport Jan 17
Reading Time: 4 minutes

Oft ist es gar nicht so einfach, nachhaltigere Sportbekleidung zu finden. Julia von move4sustainability durfte eine Alternative testen: Tripulse – Sustainable Activewear aus Schweden. Hier der Testbericht.

Fotos: ©Tripulse, mit freundlicher Genehmigung

Wer kennt es nicht: Die Lieblingslaufhose ist nach mehreren Jahren nicht mehr das, was sie mal war, hat vielleicht schon ein Loch, das man versucht hat, zu nähen. Es wird klar: Eine neue Laufhose muss her. Aber wo kann man wirklich nachhaltige Alternativen finden?

Klar ist, dass die nachhaltigste Sportbekleidung die ist, die man schon zuhause hat. Alternativ können auch Tauschbörsen, Tauschparties mit Freund*innen oder auch Second Hand Läden eine gute Option sein. Doch hin und wieder muss auch mal was Neues her – und das möglichst nachhaltig.

Gravierende Probleme in der Sporttextilindustrie

Gerade in der Sporttextilindustrie gibt es eine Vielzahl an Problemen im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit. So erfordert die Herstellung von Sporttextilien oft den Einsatz vieler Ressourcen, wie Wasser, Energie sowie den Einsatz von giftigen Chemikalien, da sie mit chemischen Substanzen behandelt werden. Diese sollen für bestimmte Eigenschaften und Funktionen, wie Knitterfreiheit und Feuchtigkeitsmanagement sorgen, haben aber ihre negativen Folgen.

Auch ein Blick in die Lieferketten zeigt, dass schlechte Arbeitsbedingungen, geringe Löhne bis hin zur Missachtung von Menschenrechten an der Tagesordnung stehen. Neben hohen Emissionen, u.a. durch lange Transportwege sowie der gängigen Wegwerfkultur und einem damit einhergehenden hohen Abfallaufkommen werden oft Materialien für herkömmliche Sporttextilien ausgewählt, die aus Polyester bestehen. Alles in allem leider keine rosigen Aussichten.

Nachhaltigere Alternativen?

In den letzten Jahren wurden nachhaltigere Alternativen nach und nach sichtbarer. Dennoch lösen viele die komplexen Herausforderungen noch nicht. So könnten beispielsweise Sporttextilien aus recycelten Materialien, wie z.B. Wasserflaschen zwar Abfälle reduzieren, allerdings ist der tatsächliche Anteil der recycelten Materialien selten einsehbar oder schwindend gering – oder es ist nicht nachvollziehbar, woher das Plastik kommt und unter welchen Bedingungen es „gesammelt“ wurde. Zudem ist das Thema Mikroplastik dann nach wie vor unbeachtet.

Tripulse: Sustainable Activewear

Eine nachhaltigere Alternative zu herkömmlichen Sporttextilien beachtet also ganzheitlich neben ökologischen auch soziale Aspekte, u.a. in der gesamten Lieferkette.

Und so waren wir erfreut, über Tripulse zu erfahren. Tripulse, eine schwedische Marke für Activewear, soll genau hier ansetzen und von Grund auf eine „echte“ nachhaltige Alternative zu herkömmlichen Sporttextilien sein. Franziska Mesche, Gründerin von Tripulse sagt dazu: „Nachhaltigkeit steht im Mittelpunkt unseres Handelns und jeder Entscheidung, die wir treffen. Es ist Teil unserer DNA.“ In einem spannenden und superfreundlichen Gespräch berichtete mir Franziska auch persönlich über die Produkte und Ambitionen von Tripulse.

Tripulse setzt auf eine holistische Herangehensweise:

„Sustainability for us means that we work at the intersection of function, environment, health and people, and this way protect our planet, health and fellow humans. Sustainability for us is a journey that will never end and that requires us to constantly stretch our boundaries. It requires us to be bold and humble at the same time, and to be better every day.“

Neben der holistischen Herangehensweise setzt Tripulse u.a. auf Funktionalität, Qualität und zeitloses Design – um keine Trends zu verfolgen, die in der nächsten Saison schon wieder „out“ sind. Beim Material wird hauptsächliche TENCEL™ verwendet. Die Lyocell-Faser ist eine sogenannte Zellulosefaser und aus Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft industriell hergestellt und ist biologisch abbaubar. Die Fasern von Tripulse tragen das EU Ecolabel und sind FSC-zertifiziert.

Foto: ©Tripulse, mit freundlicher Genehmigung

Tripulse strebt laufend danach, dass nur mit Lieferanten zusammengearbeitet wird, die sich an faire und ethische Praktiken halten, wie z. B. die Einhaltung der Standards der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) der Vereinten Nationen und darüber hinaus.

Alle Materiallieferanten sowie die Bekleidungsproduktionsfabrik haben ihren Sitz in Europa – allesamt Länder, die grundsätzlich faire Arbeitsbedingungen und Gesetze zum Schutz der Menschenrechte haben. Darüber hinaus bestätigt Tripulse, dass alle Mitarbeitenden der Produktionspartner in Europa über dem Mindestlohn bezahlt werden. Auf der Webseite werden Einblicke in die Lieferkette gezeigt, an derer Transparenz stetig gearbeitet wird.

Und mit der „ZeroWaste“-Initiative und dem „ZeroWaste-Shop“ wird beschädigten Produkten ein neues zweites Leben eingehaucht. Zudem ist TRIPULSE klimaneutral zertifiziert und überkompensiert.  

Alle Aktivitäten und News zu Nachhaltigkeit bei Tripulse findest du auf der Tripulse-Webseite.

Der Praxistest

In der Theorie ist Tripulse also definitiv auf dem richtigen Nachhaltigkeitsweg. Besonders die transparenten Einblicke auf der Webseite geben nicht nur ein gutes Gefühl, sondern liefern auch Fakten. Aber schauen wir uns Tripulse-Produkte nun genauer in der Praxis an:

Ich durfte das schwarze Original Workout T-shirt mit TENCEL™ 2.0 und die schwarze Original Leggings 2.0 mit praktischen Seitentaschen testen. Die Leggings besteht zu 84 % aus TENCEL™ lyocell und zu 16% Roica® V550, einer umweltfreundlicheren Variante von Elasthan.

Das Material der Leggings fühlt sich etwas dicker, aber sehr angenehm an, speziell für die kältere Jahreszeit, und ist multifunktional: Zum Spazierengehen, zum Laufen, aber auch für funktionelle Workouts eignet sich die Leggings optimal. Und die Seitentaschen sind besonders praktisch! Der Schriftzug “Tripulse” ist subtil angebracht, das Design somit zeitlos.

Das gilt auch für das T-Shirt, das nach dem ersten Tragen zwar etwas auf der Haut gefusselt hat, aber nach dem ersten Waschgang einwandfrei war. Das Material fühlt sich leicht und angenehm an, und bleibt auch bei intensiven Workouts geruchsneutral, was im Vergleich zu anderen Fasern ein wirklicher Vorteil ist!

Was allerdings, wie bei vielen nachhaltigeren Alternativen, oft ins Auge springt, ist der relativ hohe Preis, den man im Vergleich zu Sporttextilien von Fast Fashion-Marken bezahlt. Dennoch sollte bedacht werden, dass die Nachhaltigkeitsbemühungen nun mal (noch) ihren Preis haben – bis Nachhaltigkeit für alle bald ganz selbstverständlich ist!

Fazit

Insgesamt eine mehr als passable Leistung. Ich bin jedenfalls sowohl von der Nachhaltigkeits- als auch von der sportlichen Performance begeistert und glaube, mit Tripulse eine echte nachhaltigere Alternative gefunden zu haben, über die ich guten Gewissens berichte. Auch bin ich gespannt, wie sich Tripulse weiterhin entwickeln wird – auf jeden Fall verfolgenswert!

Mehr Nachhaltigkeit im Sport? Hier haben wir Informationen und wichtige Links für dich.

Du möchtest in deinem Sportverein für nachhaltigere Beschaffung sorgen? Hier findest du Anregungen!

Portrait

Julia ist Vollblut-Sportlerin. Sie blickt auf umfassende Erfahrung im Nachhaltigkeitsbereich zurück und wundert sich, warum Sport so wenig Aufmerksamkeit darin bekommt. Deswegen gründete sie im Dezember 2019 move4sustainability.

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