Raising the Bar: Leitlinien für eine respektvolle Medienberichterstattung in der Frauenleichtathletik
Wie Sportlerinnen in den Medien gezeigt werden, beeinflusst, wie wir ihre Leistungen wahrnehmen. Der neue Leitfaden „Raising the Bar“ der European Broadcasting Union zeigt, wie Kameraführung, Bildauswahl und Wiederholungen dazu beitragen können, Athletinnen mit Respekt zu begegnen und ihre sportliche Leistung in den Mittelpunkt zu stellen. In diesem Blogartikel erfährst du, warum respektvolle Sportberichterstattung ein wichtiger Teil eines sozial nachhaltigen Sports ist und welche konkreten Empfehlungen der Leitfaden für die Leichtathletik gibt.

Probleme in der Sportberichterstattung
Sportübertragungen erzählen Geschichten – vor allem durch Bilder. Kameraeinstellungen, Bildausschnitte und Zeitlupen entscheiden darüber, worauf sich die Aufmerksamkeit des Publikums richtet: auf Technik, Kraft und Emotionen oder auf den Körper einer Athletin.
Genau hier setzt „Raising the Bar“ an. Der im Juni 2026 veröffentlichte Leitfaden weist darauf hin, dass sexualisierende Kameraperspektiven, unnötig lange Nahaufnahmen und Zeitlupen ohne sportlichen oder erzählerischen Mehrwert weiterhin ein Problem in der Berichterstattung über Frauenleichtathletik darstellen. Dadurch kann der Fokus von der sportlichen Leistung abgelenkt und die Verbreitung stereotyper Darstellungen begünstigt werden.
Athletinnen berichten davon, dass sie sich während Wettkämpfen Gedanken über Kamerapositionen und eine mögliche spätere Verbreitung unvorteilhafter Aufnahmen in sozialen Medien machen. Im schlimmsten Fall wird die Kamera damit zur zusätzlichen Belastung in einem Moment, in dem eigentlich die sportliche Leistung zählen sollte.
Raising the Bar: Leistung statt Körper im Mittelpunkt
Der Leitfaden wurde von EBU Sport unter Einbeziehung der olympischen Athletinnen Holly Bradshaw, Ivana Španović und Blanka Vlašić entwickelt. Anhand realer Beispiele aus Hochsprung, Stabhochsprung, Weit- und Dreisprung sowie Laufbewerben zeigt er, welche Perspektiven sportliche Technik besonders gut vermitteln und welche Einstellungen vermieden werden sollten.
Die Empfehlungen sind bewusst praxisnah. Weite seitliche Einstellungen können beispielsweise Anlauf, Absprung und Bewegungsablauf sichtbar machen. Nahaufnahmen des Gesichts wiederum eignen sich, um Konzentration, Anspannung oder Freude zu zeigen. Tiefe Kamerapositionen, Aufnahmen von hinten und stark vergrößerte Zeitlupen können dagegen kompromittierende Bilder erzeugen, ohne dem Publikum zusätzliche sportliche Informationen zu bieten.
Der Leitfaden „Raising the Bar“ zeigt, dass respektvolle Sportberichterstattung und eine spannende, technisch hochwertige Übertragung natürlich kein Widerspruch sind. Oft sind jene Perspektiven, die Kraft, Präzision und Technik am besten erklären, gleichzeitig auch jene, die Athletinnen respektvoll darstellen.
Zum Leitfaden kommst du direkt hier!
Respektvolle Sportberichterstattung als Teil nachhaltiger Sportentwicklung
Nachhaltigkeit im Sport betrifft nicht nur Mobilität, Energie oder den Umgang mit Ressourcen. Auch Gleichstellung, Teilhabe, psychisches Wohlbefinden und ein respektvoller Umgang mit Sportler*innen sollten selbstverständlich zu einer nachhaltigen Entwicklung gehören.
Medien, Verbände, Veranstalter*innen und Sportorganisationen tragen gemeinsam Verantwortung dafür, welche Bilder vom Sport entstehen. Das beginnt bei der Planung von Kamerapositionen, reicht über die Auswahl von Wiederholungen bis hin zur Sprache der Kommentator*innen. Wer sportliche Leistungen erklärt, technische Details sichtbar macht und Athletinnen als kompetente Protagonistinnen präsentiert, schafft gleichzeitig einen größeren Mehrwert für das Publikum.
Gerade für junge Zuschauer*innen ist das wichtig. Sie sollen erleben, dass Frauen im Sport für ihre Stärke, ihre Fähigkeiten, ihre Ausdauer und ihre Erfolge sichtbar werden. Respektvolle Sportberichterstattung kann damit einen wichtigen Beitrag zu einem Sport leisten, der Menschen stärkt, statt sie auf Äußerlichkeiten zu reduzieren.
„Raising the Bar“ liefert dafür eine klare und unmittelbar anwendbare Orientierung. Der Leitfaden zeigt: Schon kleine Veränderungen in der medialen Darstellung können einen Unterschied machen. Jetzt liegt es an Medienhäusern, Veranstalter*innen und Sportorganisationen, diese Empfehlungen in ihre Abläufe, Briefings und Produktionsstandards zu integrieren.
Auch wir von move4sustainability beschäftigen uns damit, wie Sport sozial, ökologisch und fair gestaltet werden kann. In unseren Workshops werfen wir gemeinsam einen Blick auf nachhaltige Sportstrukturen und entwickeln konkrete Handlungsmöglichkeiten für Vereine, Schulen und Organisationen. Schau doch mal in unser Workshopangebot!

Julia ist Vollblut-Sportlerin. Sie blickt auf umfassende Erfahrung im Nachhaltigkeitsbereich zurück und wundert sich, warum Sport so wenig Aufmerksamkeit darin bekommt. Deswegen gründete sie im Dezember 2019 move4sustainability.