Gewaltprävention im Sport: Standards für Prävention und Schutzmaßnahmen
Sport soll ein Ort sein, an dem Menschen Gemeinschaft erleben, Selbstvertrauen entwickeln und sich sicher bewegen können. Doch aktuelle Zahlen zeigen, dass Gewalt auch im organisierten Sport Realität ist. Dieser Blogartikel beleuchtet, welche Erkenntnisse das österreichische Sportministerium aktuell veröffentlicht hat, warum ein neuer Safe Sport Kodex entwickelt wird und welche es bereits gibt und weshalb Gewaltprävention im Sport zu einer nachhaltigen Sportentwicklung dazugehört.

Gewaltprävention im Sport: Die Zahlen zeigen Handlungsbedarf
Die vom österreichischen Sportministerium aufgegriffenen Ergebnisse der europäischen CASES-Studie* sind deutlich: 61 Prozent der in Österreich befragten jungen Erwachsenen berichten von psychischer Gewalt im organisierten Sport. Rund ein Drittel hat körperliche Gewalt, Vernachlässigung oder sexualisierte Gewalt ohne Körperkontakt erlebt. 16 Prozent berichten von sexualisierter Gewalt mit Körperkontakt. Besonders hoch ist das Risiko im Leistungssport. Diese Zahlen machen klar: Vereine und Verbände brauchen präventive Strukturen, die Risiken frühzeitig reduzieren und Betroffenen klare Anlaufstellen bieten.
*Hier geht es zum CASES National Report (Diketmüller & Kohl 2022)
Ein österreichischer Safe Sport Kodex entsteht
Seit Juni 2026 arbeitet das Sportministerium gemeinsam mit Sport Austria und 100% Sport an einem österreichischen Safe Sport Kodex. Noch 2026 sollen gemeinsame Standards für Prävention, Meldestrukturen, Aufarbeitung und Schutzmaßnahmen vorliegen. Damit entsteht eine wichtige gemeinsame Grundlage für Sportorganisationen. Schutz darf nicht davon abhängen, wie gut ein einzelner Verein bereits aufgestellt ist.
Sozial nachhaltiger Sport braucht sichere Strukturen
Respekt, Teilhabe, Gleichstellung und ein sicheres Umfeld sind Voraussetzungen dafür, dass Menschen langfristig gerne Sport treiben und sind Teil einer nachhaltigen Sportentwicklung. Kinder, Jugendliche und besonders vulnerable Gruppen müssen dabei im Mittelpunkt stehen. Die veröffentlichten Daten zeigen beispielsweise ein erhöhtes Risiko für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen. Ein Safe Sport Kodex ist ein wichtiger Schritt. Entscheidend wird aber sein, wie die Standards im Vereins- und Verbandsalltag gelebt werden. Gewaltprävention im Sport braucht Wissen, klare Verantwortlichkeiten und eine Kultur, in der Hinsehen und Handeln selbstverständlich sind.
Ergänzend dazu bietet 100% Sport mit der 100% Sport Academy eine kostenlose E-Learning-Plattform an. Der Online-Kurs SAFE SPORT vermittelt praxisnah Wissen und Kompetenzen für ein respektvolles, diskriminierungsfreies und sicheres Miteinander im Sport. Die Inhalte bestehen aus Videos, Texten und kurzen Wissenschecks und können flexibel am Computer, Tablet oder Smartphone im eigenen Tempo absolviert werden. Nach erfolgreichem Abschluss erhalten Teilnehmende eine Teilnahmebestätigung – ein niederschwelliges Angebot für alle, die Gewaltprävention im Sport aktiv mitgestalten möchten. Hier geht es zum Kurs.
Blick nach Deutschland: Zukunftsplan Safe Sport
In Deutschland gibt es mit dem Zukunftsplan Safe Sport eine langfristige Strategie für mehr Schutz vor Gewalt im organisierten Sport. Die Deutsche Sportjugend (dsj), der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und ihre Mitgliedsorganisationen haben darin Ziele für Prävention, Intervention und Aufarbeitung über einen Zeitraum von zehn Jahren festgelegt. Dazu gehören unter anderem klarere Zuständigkeiten in Vereinen und Verbänden, definierte Aufgaben für Ansprechpersonen sowie entsprechende Qualifizierungen von Trainer*innen und Funktionär*innen. Der Zukunftsplan zeigt damit, wie Safe Sport strukturell und langfristig im Sportsystem verankert werden kann.
Gewaltprävention ist ein zentraler Baustein für einen Sport, der Verantwortung übernimmt und Menschen langfristig stärkt. Gleichzeitig ist sie nur eines von vielen Themen, die für eine nachhaltige Entwicklung im Sport entscheidend sind. Mit move4sustainability beschäftigen wir uns deshalb unter anderem mit sozialer Nachhaltigkeit und Gleichstellung – u.a. mit einem Nachhaltigkeitskonzept zur Förderung des Frauen- und Mädchenwasserballs in Österreich (WIN-Projekt) – Bildung für nachhaltige Entwicklung, Klimaschutz, Klimaanpassung und weiteren Zukunftsthemen im Sport.
Du möchtest mehr darüber erfahren, wie Vereine, Verbände und andere Sportorganisationen Nachhaltigkeit ganzheitlich denken und konkret umsetzen können? Dann schau in unsere News oder entdecke unsere Workshops und Beratungsangebote rund um Nachhaltigkeit im Sport.

Julia ist Vollblut-Sportlerin. Sie blickt auf umfassende Erfahrung im Nachhaltigkeitsbereich zurück und wundert sich, warum Sport so wenig Aufmerksamkeit darin bekommt. Deswegen gründete sie im Dezember 2019 move4sustainability.